Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847)
Psalm 42 «Wie der Hirsch schreit», op. 42 (MWV A 15)
«Lobgesang», Sinfoniekantate für Soli, Chor und Orchester, op. 52 (MWV A 18)
L'arpa festante
Barockorchester aus München
Informationen zum Orchester finden Sie unten.
Carmela Konrad, Sopran
Nino Aurelio Gmünder, Tenor
Soloquartett Psalm 42:
Simone Fischer, Sopran; Marcel Fässler, Tenor
Mattia Marra, Bass; Raitis Grigalis, Bass
Proben ab April 2026
Wir proben ab Ende April 2026 jeweils am Montagabend von 20:00 - 22:00 Uhr im Mehrzweckraum der Primarschule Halde, Wohlen.
Interessierte Neumitglieder sind gerne willkommen. Melden Sie sich für genauere Informationen bitte über das Kontaktformular auf dieser Homepage.
Werk
Felix Mendelssohn Bartholdys Psalm 42 entstand 1837 als Vertonung von Martin Luthers deutscher Psalmübersetzung: «Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.» Das Bild des durstenden Hirsches wird zum Ausdruck einer Seele, die nach Gott verlangt, sich verlassen fühlt und dennoch auf Trost hofft. Der Text kreist um den Wechsel von Klage und Zuversicht: «Meine Seele dürstet nach Gott», «Meine Tränen sind meine Speise» – und immer wieder die Antwort: «Harre auf Gott.»
Diese Spannung prägt auch die musikalische Anlage. Psalm 42 ist in der Endfassung siebensätzig; Chöre, Rezitative, Sopran-Arien und ein Quintett wechseln sich ab. Besonders wichtig ist die Rolle des Soprans: Er erscheint als Stimme der klagenden Seele, während Chor und Männerstimmen tröstend oder stärkend antworten. Wunderbar hörbar wird diese innere Suche in der Arie «Meine Seele dürstet nach Gott» mit obligater Oboe: Die Stimme klagt nicht äusserlich dramatisch, sondern tastet sich sehnsuchtsvoll durch den Text, begleitet von einer zarten, schmerzlichen Oboenlinie. Zugleich steht das Werk in der Tradition älterer Kirchenmusik: Die Form erinnert an die Kantate, einzelne Chorsätze und die Schlussfuge zeigen Mendelssohns Nähe zu Bach und Händel. Robert Schumann sah in Psalm 42 einen Höhepunkt von Mendelssohns Kirchenmusik; Mendelssohn selbst schätzte das Werk ausserordentlich hoch.
Der Lobgesang entstand wenige Jahre später, 1839/40, als Festmusik zum 400-jährigen Jubiläum der Erfindung des Buchdrucks. Die Urauf- führung fand am 25. Juni 1840 in der Leipziger Thomaskirche statt. Mendelssohn nannte das Werk zunächst eine «Symphonie für Chor und Orchester»; der Drucktitel von 1842 lautet «Symphonie-Cantate nach Worten der Heiligen Schrift». Damit ist die besondere Anlage bereits benannt: Auf einen rein instrumentalen sinfonischen Teil folgt ein grosser vokaler Teil mit Chor, Soli, Rezitativen, Psalmworten und Choral.
Auch im Lobgesang steht nicht einfach fertiger Jubel am Anfang. Zentral ist die Bewegung von Finsternis zu Licht. Besonders deutlich wird sie in der Frage «Hüter, ist die Nacht bald hin?» und in der Antwort: «Die Nacht ist vergangen.» Diese Licht-Dunkel-Thematik ist zunächst biblisch und geistlich zu verstehen: Not, Angst und Verlassenheit werden durch Vertrauen, Rettung und Lob überwunden. Durch den Anlass des Gutenberg-Jubiläums erhält sie zugleich eine kulturelle Dimension. Vorsichtig formuliert lässt sich das Licht auch mit der Verbreitung von Schrift, Bibel, Wissen und Bildung durch den Buchdruck verbinden. Der Lobgesang feiert also nicht nur religiösen Lobpreis, sondern auch eine geschichtliche Erhellung durch das gedruckte Wort.
Beide Werke zeigen Mendelssohns geistliche Musik als Weg. Psalm 42 bleibt näher an der einzelnen, suchenden Seele: Sie klagt, fragt, dürstet und lernt zu hoffen. Der Lobgesang weitet diese Bewegung ins Öffent- liche und Festliche: Aus der Frage nach der Nacht wird der gemeinsame Dankgesang «Alles, was Odem hat, lobe den Herrn.» So entsteht ein Bogen von innerer Sehnsucht zu gemeinschaftlichem Lob, von der Klage zum Trost, von der Nacht zum Licht. Durch die Aufführung auf historischen Instrumenten kommt eine immense Farbigkeit zum Vorschein, und die Musik kann frei atmen. Auch grosse Steigerungen gewinnen so ihre Kraft aus Spannung, Kontrast und innerer Lebendigkeit. So erscheint Mendelssohns Musik als das, was sie im Kern ist: tröstend, leuchtend und von innigem Lob erfüllt.
Orchester
L’arpa festante, das Barockorchester aus München, wurde 1983 gegründet. Es ist eines der traditionsreichsten deutschen Ensembles für Alte Musik. Die grosse musikalische Erfahrung der einzelnen Musiker und die Virtuosität ihres Könnens führen zum unverkennbaren Klangcharakter des Ensembles: farbig, nuancenreich, sensibel, expressiv. Sein Repertoire reicht von der französischen Barocksuite über deutsche und italienische Instrumentalmusik bis zu Werken der Wiener Klassik und der frühen Romantik. Zahlreiche Auftritte und CD-Einspielungen haben L’arpa festante international bekannt gemacht.
Solistinnen und Solisten
Die Aargauer Sopranistin Carmela Konrad setzte nach ihrem Doppelstudium Gesang und Konzertgitarre an der Hochschule Luzern ihre Weiterbildung in Meisterkursen u.a. bei Krisztina Laki fort. Vor ihren Musikstudien besuchte Carmela Konrad eine Kunstschule und stellt seitdem regelmässig ihre Bilder und Skulpturen aus. Konzerte im 2025/26 beinhalten u.a. Carl Orffs «Carmina Burana», B. Brittens «Les Illuminations», J. S. Bachs Passionen, h-moll Messe und diverse Kantaten sowie Liederabende mit Schweizer Volksliedern zusammen mit dem Gitarristen Philipp Leon Fankhauser. Carmela Konrad ist u.a. Preisträgerin der Marianne und Curt Dienemann-Stiftung, der Elvira Lüthy-Wegmann Stiftung und des Mathilde Müller Preises 2021. Wenn Carmela Konrad gerade nicht singt, trifft man sie meistens im Garten.
Nino-Aurelio Gmünder absolvierte seine Ausbildung bei Werner Güra an der Zürcher Hochschule der Künste. Weitere Studien führten ihn nach Wien zu W. Zlateva sowie nach London zu R. Connell und T. Chapman. Sein breit gefächertes Konzertrepertoire umfasst sämtliche Tenorpartien der grossen Oratorien, darunter die Matthäuspassion, Johannespassion, das Weihnachtsoratorium, der Messias, die Schöpfung, die Jahreszeiten, Paulus, Elias sowie der Lobgesang. Auch italienische Werke wie Puccinis Messa di Gloria und Rossinis Stabat Mater gehören zu seinem Repertoire. Er sang unter der Leitung von Thomas Hengelbrock, Ivor Bolton, Howard Griffiths, Howard Arman, Antal Barnás, Adrian Stern, Tobias von Arb, Anna Telmorini, Clau Scherrer, Andreas Reize, Beat Raaflaub, Beat Schäfer und Markus Utz. Im Rahmen von Festivals arbeitete er unter anderem mit dem Balthasar Neumann Ensemble, dem Finnish Baroque Orchestra, L’arpa festante München, Capriccio Basel, der Südwest- deutschen Philharmonie Konstanz, dem Kammerorchester Bern, dem Sinfonieorchester Biel-Solothurn, dem Sinfonieorchester St. Gallen, dem NDR Orchester Hamburg, den Würth Philharmonikern sowie dem Sinfonieorchester Basel zusammen.